Bewegte
Geschichte Bis
in die 30ger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Insel nur von wenigen Menschen
bewohnt. Es herrschte ein rauhes Klima. Die Gutsherren betrieben auf großen
Flächen Landwirtschaft bis die Deutsche Wehrmacht 1935 die Insel erwarb,
um dort die größte Flak-Artillerie-Schule des Deutschen Reiches zu
errichten. In wenigen
Jahren entstanden im vorderen (östlichen) Teil der Insel große Kasernenanlagen,
ein Flugplatz, kleine Häfen an Ostsee und am Salzhaff und eine Gartenstadt
(Rerik-West) für die zivilen Angehörigen. Die
kleinste Stadt Deutschlands - von
Alt-Gaarz zu Rerik Die
am anderen (östlichen) Ende der schmalen Landbrücke liegende kleine
Ortschaft trug einen slawischen Namen: "Alt-Gaarz" (Alte Burg). Die Ortschaft
sollte zu einer Garnisonsstadt mit 15.000 Einwohnern entwicklet werden. Da kam
den Herren des "Tausendjährigen Reiches" 1938 Ausgrabungsfunde am Schmiedberg
(Überreste der alten Festung mit Burgwall - die nach einer Sturmflut teilweise
freigelegt waren) gerade recht - ohne schlüssigen Beweis wurde kurzerhand
erklärt, hier sei der alte Wikinger-Handelsplatz Reric gelegen und "Alt-Gaarz"
wurde zu "Rerik" umbenannt und erhielt zugleich die Stadtrechte.
Sowjetische
Besatzungszeit Nach
1945 wurden durch die sowjetischen Besatzungstruppen alle militärischen Anlagen
und Bauten auf der Insel gesprengt und vernichtet. In den erhaltenen Gebäuden
der zivilen Gartenstadt wurden vorübergehend Flüchtlinge aus den ehemals
deutschen Ostgebieten einquartiert, bis 1947 die Insel geräumt wurde, da
nun die Sowjetarmee hier stationiert wurde. Für
die neuerliche militärische Nutzung wurden einige zivile Gebäude umgerüstet
und eine Reihe weiterer Bauten errichtet - vor allem Fahrzeug- und Lagerhallen,
Unterkunftsbaracken für die einfachen Soldaten und Wachhäuser an den
neuen Grenzen zwischen zivilen und militärischen Bereichen. Im zivilen Teil
entstanden ein Krankenhaus, ein Kaufhaus, eine Schule usw. Im
Oktober 1993 zog die Sowjetarmee endgültig aus Wustrow ab. Wochenlang rollten
zuvor LKW´s und andere Militärfahrzeuge durch Rerik, um das Hab und
Gut der Soldaten wie der Armee in Neubukow zum Abtransport in die Heimat auf Züge
zu verladen. Nur weniges wurde hinterlassen - selbst einige Straßen und
gepflasterte Wege verschwanden auf nimmer Wiedersehen. Zerstörte
Hoffnungen 1993
hofften viele Reriker, endlich - nach 60 Jahren militärischen Sperrgebiets
- die Insel wieder betreten oder in die alten Häuser, in denen sie ehemals
lebten, zurückkehren zu können. Doch das Eiland blieb weiterhin verschlossen:
Die massive Munitions- und Kampfmittelbelastung erforderte ein Zutrittsverbot
aus Sicherheitsgründen. Als bald darauf die Bundesrepublik Deutschland (als
Rechtsnachfolgerin) gegen den Willen der Reriker die gesamte Insel an die Investmentgruppe
Fundus mit Sitz in Köln verkaufte, platzten viele Hoffnungen.
Naturschutz
kontra Rendite ? Die
Zukunft der Insel ist jetzt noch ungewiß. Planungen von Fundus über
die Entwicklung (Bebauung) stießen immer wieder auf heftigen Widerspruch
in Rerik, denn umstritten ist, wieviele Menschen, mit allen Folgebelastungen,
die ca. 12 Kilometer lange Insel vertragen kann. Rund zwei Drittel der Insel sind
Naturschutzgebiet (siehe Link unten !) und bieten vielen See- und Zugvögeln
sowie anderen Tieren und seltenen Pflanzen ein Refugium.
Das östliche Drittel der Insel
teilt sich in ein Landschaftsschutzgebiet, wo früher die militärischen
Anlagen standen, und die zivile Gartenstadt mit einer Fläche von knapp 100
ha. Die Kampfmittelberäumung
wurde im Herbst 2000 abgeschlossen - dazu wurden u.a. große Teile des Bodens im
Landschaftsschutzgebiet bis zu einer Tiefe von 3 Metern mit schwerem Gerät durchwühlt
und umgepflügt. Ehrgeizige
Pläne Nach
den Plänen der Fundus-Gruppe soll die Insel mit Gebäuden von insgesamt 230.000
m² Brutto - Geschoßfläche bebaut werden und zukünftig 2100 Menschen Wohnen und
Urlaub ermöglichen. Ein Raumordnungsverfahren beim Land Mecklenburg-Vorpommern
soll prüfen, ob die vorgesehenen Bauvorhaben Golfplatz und Marina in Verträglichkeit
mit Natur, Umwelt und Menschen in der Region stehen. (Alle anderen Bauvorhaben
sind nicht Gegenstand des Raumordnungsverfahrens!) Die wesentlichen Vorhaben sind:
- Sanierung und Ausbau
der Gartenstadt mit derzeitigem Gebäudebestand von ca. 100 Einheiten
-
Bau einer zweiten Gartenstadt gleicher
Größe
- Bau
eines 27-Loch-Golfplatzes mit Golfhotel auf der gesamten Fläche des Landschaftsschutzgebietes
-
Bau von mehreren kleinen "Hamlet" (Gebäudegruppen/Rundweiler)
ostseeseitig im Landschaftsschutzgebiet
- Bau
eines Yachthafens für 240 Boote an der Ostsee
- Bau
eines Reiterhofes
- Bau
eines Naturlehrpfades für Führungen im Naturschutzgebiet mit Infozentrum
und Aussichtsturm am "Tower".
13
Jahre nach der Wende - weiter warten Das
Raumordnungsverfahren läuft noch. Wann endgültige Ergebnisse vorliegen muß abgewartet
werden. Erst danach kann es zur Aufstellung von Bebauungsplänen durch die Stadt
Rerik kommen. Bis der erste Spatenstich getan ist (nicht vor 2003), wird also
noch einige Zeit vergehen. Was dann möglicherweise an Verkehr durch unseren noch
ruhigen Ort rollen wird, läßt sich nur erahnen. Ein schlüssiges und realisierbares
Verkehrskonzept, welches der Investor gemäß Ausschreibung zum Kauf
der Insel vorzulegen hat, fehlt immer noch. Gleiches gilt für ein Touristisches
Entwicklungskonzept. 13 Jahre nach der Wende heißt es also weiter in Ungewißheit
zu warten ... Richtungsweisende
Entscheidung Eine
eigens eingerichtete Arbeitsgruppe Verkehr hat unter Beteiligung von Stadtvertretern,
dem Investor, Fachleuten und Bürgern, die zu erwartenden Verkehre untersucht und
Vorschläge zur Minderung der Verkehrsbelastung gemacht: -
durch Tempo-30 Zonen
Lärmminderung und Erhöhung der Sicherheit
-
Temporeduzierende bauliche Maßnahmen
-
Verbesserung des öffentlichen Peronennahverkehrs
-
Auffangparkplätze an den Ortseingängen Reriks und Verminderung des innerörtlichen
Parkraumangebots
-
Shuttlesystem von den Auffangparkplätzen in die Stadt, zum Strand und auf die
Halbinsel Wustrow
-
Zufahrtsbeschränkungen für den motorisierten Individualverkehr zur Halbinsel
-
Schaffung einer Fährverbindung zur Halbinsel für Personen und Kraftfahrzeuge
-
Ausbau des Rad- und Wanderwegenetzes
-
Ausbau des Milchweges als Umgehung für Rerik
Die
Ergebnisse wurden am 10.04.03 in einer Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert.
Auf dieser Grundlage hat die Stadtvertretung Reriks am 17.04.03 mit 11 gegen 3
Stimmen beschlossen,
daß zur Sicherung einer nachhaltigen touristischen Entwicklung,
zur Erlangung der Anerkennung als Seeheilbad und zur Sicherung der vorhandenen
Arbeitsplätze in Rerik (unabhängig von der Entwicklung der Halbinsel Wustrow)
Maßnahmen zur Reduzierung der Verkehrsbelastungen "bereits jetzt zwingend
erforderlich sind." Alle von der Arbeitsgruppe vorgesschlagenen
Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung "sind geeignet, die vom Verkehr ausgeheneden
Belastungen zu mindern, werden jedoch nicht als ausreichend erachtet. Deshalb
ist für zukünftige planungsrechtliche Vorbereitungen zugrunde zu legen - und dies
ganzjährig und nicht auf die Saison beschränkt - dass die Befahrung des Wustrower
Halses für den motorisierten Individualverkehr (MIV) auszuschließen ist."
Alle
Maßnahmen sollen schnell auf ihre Realisierbarkeit geprüft und umgesetzt werden.
Zumindest ihre rechtliche Absicherung soll gewährleistet sein, bevor Entscheidungen
zum Baurecht auf der Halbinsel Wustrow getroffen werden. Halbinsel
Wustrow nun ganz geschlossen! Ohne
Angabe von Gründen hat der Investor der Stadt (Kurverwaltung) und dem Heimatverein
Rerik nun untersagt, die mit großem Interesse von vielen Gästen des
Ortes aus dem In- und Ausland besuchten Führungen auf die Halbinsel ab dem
02.09.2004 weiterhin durchzuführen. |