Halbinsel Wustrow:

Das Betreten der Halbinsel ist nach Verfügung des Eigentümers (Fundus-Gruppe) seit 02.09.2004 nicht mehr möglich.
Alternativ werden sachkundige Führungen per Schiff (mit der MS Salzhaff) angeboten.
Von Mai bis Oktober - jeden Montag und Donnerstag - Abfahrt ab Haffufer Rerik um 15.00 Uhr.

Infos:
Fahrgastschifffahrt Steußloff OHG, Haffplatz 3,
D-18230 Rerik, Tel: 038296/74187


 

Blick über Rerik zur Halbinsel Wustrow
Die Halbinsel Wustrow an der mecklenburgischen Ostseeküste ist ca. 12 km lang und an der weitesten Stelle ca. 1,5 km breit. Mit dem Festland über eine ca. 700 m lange und 80 bis 120 m breite Landbrücke (Düne "Wustrower Hals") verbunden.

Bewegte Geschichte
Bis in die 30ger Jahre des letzten Jahrhunderts war die Insel nur von wenigen Menschen bewohnt. Es herrschte ein rauhes Klima. Die Gutsherren betrieben auf großen Flächen Landwirtschaft bis die Deutsche Wehrmacht 1935 die Insel erwarb, um dort die größte Flak-Artillerie-Schule des Deutschen Reiches zu errichten.
In wenigen Jahren entstanden im vorderen (östlichen) Teil der Insel große Kasernenanlagen, ein Flugplatz, kleine Häfen an Ostsee und am Salzhaff und eine Gartenstadt (Rerik-West) für die zivilen Angehörigen.

Die kleinste Stadt Deutschlands -
von Alt-Gaarz zu Rerik
Die am anderen (östlichen) Ende der schmalen Landbrücke liegende kleine Ortschaft trug einen slawischen Namen: "Alt-Gaarz" (Alte Burg). Die Ortschaft sollte zu einer Garnisonsstadt mit 15.000 Einwohnern entwicklet werden. Da kam den Herren des "Tausendjährigen Reiches" 1938 Ausgrabungsfunde am Schmiedberg (Überreste der alten Festung mit Burgwall - die nach einer Sturmflut teilweise freigelegt waren) gerade recht - ohne schlüssigen Beweis wurde kurzerhand erklärt, hier sei der alte Wikinger-Handelsplatz Reric gelegen und "Alt-Gaarz" wurde zu "Rerik" umbenannt und erhielt zugleich die Stadtrechte.

Sowjetische Besatzungszeit
Nach 1945 wurden durch die sowjetischen Besatzungstruppen alle militärischen Anlagen und Bauten auf der Insel gesprengt und vernichtet. In den erhaltenen Gebäuden der zivilen Gartenstadt wurden vorübergehend Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten einquartiert, bis 1947 die Insel geräumt wurde, da nun die Sowjetarmee hier stationiert wurde.

Für die neuerliche militärische Nutzung wurden einige zivile Gebäude umgerüstet und eine Reihe weiterer Bauten errichtet - vor allem Fahrzeug- und Lagerhallen, Unterkunftsbaracken für die einfachen Soldaten und Wachhäuser an den neuen Grenzen zwischen zivilen und militärischen Bereichen. Im zivilen Teil entstanden ein Krankenhaus, ein Kaufhaus, eine Schule usw.

Im Oktober 1993 zog die Sowjetarmee endgültig aus Wustrow ab. Wochenlang rollten zuvor LKW´s und andere Militärfahrzeuge durch Rerik, um das Hab und Gut der Soldaten wie der Armee in Neubukow zum Abtransport in die Heimat auf Züge zu verladen. Nur weniges wurde hinterlassen - selbst einige Straßen und gepflasterte Wege verschwanden auf nimmer Wiedersehen.

Zerstörte Hoffnungen
1993 hofften viele Reriker, endlich - nach 60 Jahren militärischen Sperrgebiets - die Insel wieder betreten oder in die alten Häuser, in denen sie ehemals lebten, zurückkehren zu können. Doch das Eiland blieb weiterhin verschlossen: Die massive Munitions- und Kampfmittelbelastung erforderte ein Zutrittsverbot aus Sicherheitsgründen. Als bald darauf die Bundesrepublik Deutschland (als Rechtsnachfolgerin) gegen den Willen der Reriker die gesamte Insel an die Investmentgruppe Fundus mit Sitz in Köln verkaufte, platzten viele Hoffnungen.

Naturschutz kontra Rendite ?
Die Zukunft der Insel ist jetzt noch ungewiß. Planungen von Fundus über die Entwicklung (Bebauung) stießen immer wieder auf heftigen Widerspruch in Rerik, denn umstritten ist, wieviele Menschen, mit allen Folgebelastungen,  die ca. 12 Kilometer lange Insel vertragen kann. Rund zwei Drittel der Insel sind Naturschutzgebiet (siehe Link unten !) und bieten vielen See- und Zugvögeln sowie anderen Tieren und seltenen Pflanzen ein Refugium. 
Das östliche Drittel der Insel teilt sich in ein Landschaftsschutzgebiet, wo früher die militärischen Anlagen standen, und die zivile Gartenstadt mit einer Fläche von knapp 100 ha.
Die Kampfmittelberäumung wurde im Herbst 2000 abgeschlossen - dazu wurden u.a. große Teile des Bodens im Landschaftsschutzgebiet bis zu einer Tiefe von 3 Metern mit schwerem Gerät durchwühlt und umgepflügt.

Ehrgeizige Pläne
Nach den Plänen der Fundus-Gruppe soll die Insel mit Gebäuden von insgesamt 230.000 m² Brutto - Geschoßfläche bebaut werden und zukünftig 2100 Menschen Wohnen und Urlaub ermöglichen. Ein Raumordnungsverfahren beim Land Mecklenburg-Vorpommern soll prüfen, ob die vorgesehenen Bauvorhaben Golfplatz und Marina in Verträglichkeit mit Natur, Umwelt und Menschen in der Region stehen. (Alle anderen Bauvorhaben sind nicht Gegenstand des Raumordnungsverfahrens!) Die wesentlichen Vorhaben sind:

  • Sanierung und Ausbau der Gartenstadt mit derzeitigem Gebäudebestand von ca. 100 Einheiten
  • Bau einer zweiten Gartenstadt gleicher Größe
  • Bau eines 27-Loch-Golfplatzes mit Golfhotel auf der gesamten Fläche des Landschaftsschutzgebietes
  • Bau von mehreren kleinen "Hamlet" (Gebäudegruppen/Rundweiler) ostseeseitig im Landschaftsschutzgebiet
  • Bau eines Yachthafens für 240 Boote an der Ostsee
  • Bau eines Reiterhofes
  • Bau eines Naturlehrpfades für Führungen im Naturschutzgebiet mit Infozentrum und Aussichtsturm am "Tower".

13 Jahre nach der Wende - weiter warten

Das Raumordnungsverfahren läuft noch. Wann endgültige Ergebnisse vorliegen muß abgewartet werden. Erst danach kann es zur Aufstellung von Bebauungsplänen durch die Stadt Rerik kommen. Bis der erste Spatenstich getan ist (nicht vor 2003), wird also noch einige Zeit vergehen. Was dann möglicherweise an Verkehr durch unseren noch ruhigen Ort rollen wird, läßt sich nur erahnen. Ein schlüssiges und realisierbares Verkehrskonzept, welches der Investor gemäß Ausschreibung zum Kauf der Insel vorzulegen hat, fehlt immer noch. Gleiches gilt für ein Touristisches Entwicklungskonzept. 13 Jahre nach der Wende heißt es also weiter in Ungewißheit zu warten ...

Richtungsweisende Entscheidung

Eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe Verkehr hat unter Beteiligung von Stadtvertretern, dem Investor, Fachleuten und Bürgern, die zu erwartenden Verkehre untersucht und Vorschläge zur Minderung der Verkehrsbelastung gemacht:

  • durch Tempo-30 Zonen Lärmminderung und Erhöhung der Sicherheit
  • Temporeduzierende bauliche Maßnahmen
  • Verbesserung des öffentlichen Peronennahverkehrs
  • Auffangparkplätze an den Ortseingängen Reriks und Verminderung des innerörtlichen Parkraumangebots
  • Shuttlesystem von den Auffangparkplätzen in die Stadt, zum Strand und auf die Halbinsel Wustrow
  • Zufahrtsbeschränkungen für den motorisierten Individualverkehr zur Halbinsel
  • Schaffung einer Fährverbindung zur Halbinsel für Personen und Kraftfahrzeuge
  • Ausbau des Rad- und Wanderwegenetzes
  • Ausbau des Milchweges als Umgehung für Rerik

Die Ergebnisse wurden am 10.04.03 in einer Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert. Auf dieser Grundlage hat die Stadtvertretung Reriks am 17.04.03 mit 11 gegen 3 Stimmen beschlossen,

daß zur Sicherung einer nachhaltigen touristischen Entwicklung, zur Erlangung der Anerkennung als Seeheilbad und zur Sicherung der vorhandenen Arbeitsplätze in Rerik (unabhängig von der Entwicklung der Halbinsel Wustrow) Maßnahmen zur Reduzierung der Verkehrsbelastungen "bereits jetzt zwingend erforderlich sind." Alle von der Arbeitsgruppe vorgesschlagenen Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung "sind geeignet, die vom Verkehr ausgeheneden Belastungen zu mindern, werden jedoch nicht als ausreichend erachtet. Deshalb ist für zukünftige planungsrechtliche Vorbereitungen zugrunde zu legen - und dies ganzjährig und nicht auf die Saison beschränkt - dass die Befahrung des Wustrower Halses für den motorisierten Individualverkehr (MIV) auszuschließen ist."

Alle Maßnahmen sollen schnell auf ihre Realisierbarkeit geprüft und umgesetzt werden. Zumindest ihre rechtliche Absicherung soll gewährleistet sein, bevor Entscheidungen zum Baurecht auf der Halbinsel Wustrow getroffen werden.

Halbinsel Wustrow nun ganz geschlossen!

Ohne Angabe von Gründen hat der Investor der Stadt (Kurverwaltung) und dem Heimatverein Rerik nun untersagt, die mit großem Interesse von vielen Gästen des Ortes aus dem In- und Ausland besuchten Führungen auf die Halbinsel ab dem 02.09.2004 weiterhin durchzuführen.

Wachtor zur FLAK-Artillerie-Schule Wustrow der Deutschen Wehrmacht Blick von der Seebrücke auf die Gartenstadt Hinterlassenschaft der Sowjet-Marine-Truppen nach ihrem Abzug von Wustrow 1993Wohnhaus für Offiziere am HaffringAn der Grenze zwischen Landschafts- und NaturschutzgebietBlick über die Steilküste Wustrows nach Rerik

 

Viele weitere Fotos von Wustrow 
finden Sie auf den Infoseiten zum Naturschutzgebiet Halbinsel Wustrow.

Achtung! 
Fotos & Dokumente gesucht!

Sollten Sie noch alte Fotos oder Dokumente von Wustrow besitzen, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf. 
Wir möchten das städtische 
Archiv im Reriker Heimatmuseum 
gerne um Ihre Dokumente bereichern und diese allen Interessierten in Ausstellungen und über das Internet zugänglich machen.

Unsere Buchempfehlung:

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Die verbotene Halbinsel Wustrow
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Naturschutzgebiet Halbinsel Wustrow

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aktualisiert: 16.01.2016
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